Bericht im www.zol.ch

Gülle-Dusche mit fatalen Folgen

Von Walter Sturzenegger. Aktualisiert am 28.03.2012 Wie gross der Schaden ist, den die Gülle-Dusche im Alpenblick-Quartier anrichtete, wird sich erst im Laufe des Jahres zeigen. Viel Lob erntet die Feuerwehr für ihren Einsatz.

Rasche Hilfe: Die Stützpunktfeuerwehr Hinwil säuberte zahlreiche Gärten vom gröbsten Schmutz. (Bild: zvg)
«So etwas habe ich noch nie erlebt. Und eigentlich sollte es auch nicht passieren.» Der Hinwiler Feuerwehrkommandant Roland Anderegg spricht aus, was viele Anwohner im Alpenblick-Quartier nach dem Gülle-Regen am Dienstagmorgen vergangener Woche dachten. Dass die Jauche wegen einer Fehlmanipulation mit Hochdruck losspritzte und Ringwilerstrasse, Trottoirs, Gärten, Hausfassaden, Sonnenstoren und Dächer mit der dickflüssigen, klebrigen Masse überzog, ist das eine. Dass der Traktorfahrer auf einer Strecke von gut 800 Metern nicht mitbekam, welche Verwüstung er anrichtete, das andere. «Ungeschickt», «fahrlässig», «eine Sauerei» sind die harm­loseren Ausdrücke, die den Betroffenen entfuhren.

Nachbarn helfen sich

«Ich rief dem Fahrer zu, ein Auto hupte, doch er hörte nichts und fuhr weiter», erinnert sich Sonja Zwicky. Ihr Mann Heinz Zwicky reagierte rasch. Der Inhaber einer Kanalreinigung begann sofort, die Gülle mit Hochdruckgeräten und Spülwagen zu entfernen – bei seinem eigenen Haus und bei Nachbarn. Bald wurde er von der Feuerwehr unterstützt, die mit 15 Mann während mehr als dreier Stunden sozusagen das Quartier wusch.

45 Fische verendet

Als sich Urs Peter Keller, alarmiert von einem Nachbarn, die Bescherung in seinem Garten anschaute, bot sich ihm ein übler Anblick. Sein 26 Quadratmeter grosses und ein Meter tiefes Biotop hatte sich in eine stinkende Kloake verwandelt. Fische schnappten nach Luft. 5 konnte er retten. Die übrigen 45 – sogenannte Moderlieschen – überlebten nicht. Auch 15 Frösche und Froschlaich brachte Keller in Sicherheit. Den Teich entleerte er, wusch ihn gründlich aus und füllte ihn mit frischem Leitungswasser. «Die überlebenden Fische schwimmen rum, und der Froschlaich ist wieder an seinem Platz», freut er sich.
Mehr Sorgen bereitet Keller der übrige Garten. «Gülle verbrennt die Pflanzen.» Stundenlang spritzte er Böschung und Eibenhecken mit Wasser ab. Ob trotzdem Pflanzen geschädigt wurden, wird sich erst im April zeigen, wenn sie austreiben sollten. Gärtnermeister Hans-Ulrich Muggli, dessen Betrieb ebenfalls von der Gülle-Fontäne getroffen wurde, empfiehlt, «alles abzuwaschen». Dann sei die Chance gross, dass keine Schäden blieben – «ausser dass es noch eine Weile stinkt». Probleme vermutet er auf Flachdächern. «Kies und Substrat kann man nicht einfach auswaschen.»
Mugglis Nachbarn Fredy und Hanna Rau fürchten vor allem um den Teil ihrer Hausfassade, der aus offenporigem Verputz besteht. «Ein Fachmann reinigte ihn mit einem Hochdruckreiniger. Jetzt müssen wir ein Jahr lang zuwarten, bis man allfällige Schäden erkennt.» Die Fassadenteile aus Holz müssen neu gestrichen werden. Dass die Magerwiese im Garten nun gedüngt ist, ist das kleinere Übel.

Grosser Schaden und Busse

Bei Polizei und Versicherung des Verursachers, eines Bauern und Lohnunternehmers, stapeln sich inzwischen die Schaden­meldungen. Es dürften Zehntausende von Franken zusammenkommen. Allein der Feuerwehreinsatz kostet rund 3000 Franken. Zudem muss der Bauer mit einer Busse rechnen.
Der Ärger der Betroffenen ist verraucht. Der Lohnunternehmer und sein Fahrer hätten sich entschuldigt, sagt Fredy Rau. Die Gülle-Dusche habe ihm viel Arbeit beschert, sei aber «keine Katastrophe». Dazu habe die Feuerwehr viel beigetragen, ist man sich im Quartier einig. «Sie hat vorbildlich gearbeitet.» (regio.ch)
Erstellt: 28.03.2012, 20:44 Uhr


Bericht aus www.regio.ch

 

Häuser mit Gülle bespritzt

Aktualisiert am 20.03.2012 Wegen einer Fehlmanipulation eines Landwirts am Jauchetank sind am frühen Dienstagmorgen viele Häuser zwischen Hinwil und Ringwil mit Gülle bespritzt worden. Auch ein Fussgänger war betroffen.
Am Dienstagvormittag hat ein Landwirt mehrere Gebäudefassaden und Gärten in Hinwil mit Jauche verschmutzt. Wie die Kantonspolizei Zürich in einer Mitteilung schreibt, sei das Missgeschick auf eine Fehlmanipulation zurückzuführen.
Ein Mitarbeiter von Landwirt Richard Reiser fuhr um etwa 7.15 Uhr mit seinem Traktor von Ringwil Richtung Hinwil. Er führte zwei Jauchedruckfässer mit sich. Wegen eines falsch gestellten Hebels spritzte aus einem der Fässer Jauche mit Hochdruck gegen Strasse und Gehsteige, Gärten und Hausfassaden. Dabei seien mindestens 30 Gebäude verschmutzt worden, heisst es weiter. Auch ein Fussgänger mit seinem Hund wurde getroffen.

Polizei sucht Betroffene

Für erste Reinigungsarbeiten standen die Feuerwehr Hinwil sowie die Gemeinde Hinwil im Einsatz, der Schaden wird auf mehrere 10'000 Franken geschätzt.
Erste Abklärungen haben ergeben, dass der Landwirt vor der Fahrt die Sprühdüse nicht abgesenkt und den Umschalthebel nicht geschlossen hatte. Betroffene Personen, die namentlich noch nicht bekannt sind, sollen sich mit der Kantonspolizei Zürich in Verbindung setzen. Telefon: 044 938 30 10.

Bleibende Schäden wegen Gülle?

Die Reinigungsarbeiten dürften teuer werden. Fraglich ist auch, ob alles wieder weggeht oder ob weitere Massnahmen wie das Neustreichen der Hausfassaden nötig sind.
Der Landwirt selber komme aber vermutlich mit einigen hundert Franken Busse wegen Nichtsicherung der Ladung davon, wie «Tele Züri» berichtet.

Letzte dokumentierte Einsätze

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