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"Oelwehr-Tag" am 02.05.2014

Einmal Hinwil, rot

Freitag, 2. Mai 2014.

Es sind noch Schulferien, und nach dem Ersten Mai ziehen viele, die beruflich die Möglichkeit haben, einen Brückentag ein. Ein wenig länger schlafen, gemütlich frühstücken und …

09:42 Uhr

Der Pager vibriert: Ölwehreinsatz. Ein Sattelzug hat Öl verloren, sehr viel Öl. Die Wildbachstrasse ist bei der KEZO-Abfahrt auf der ganzen Breite verschmutzt, und die Fahrzeuge, die die KEZO in den letzten Minuten verlassen haben, haben das Öl auf der Kreuzung mit der Zürichstrasse bereits kräftig verteilt. Der Sattelzug selbst ist noch in Richtung Wetzikon gefahren, bevor der Defekt am Fahrzeug auf Höhe Eisstadion entdeckt wurde. Der Ölfilm auf der Strasse ist insbesondere auf den glatten Markierungen äusserst glitschig.

Schnell ist für den Einsatzleiter der Feuerwehr klar, dass der beim Ausrücken mitgeführte Ölbinder nicht ausreicht. Vom Depot muss weiteres Material gebracht werden. Insgesamt werden bei diesem Einsatz 50 Säcke à 20 kg Ölbinder eingesetzt. Um auf der Kreuzung Wildbachstrasse/Zürichstrasse effizient Ölstreuer einsetzen zu können, muss der Verkehr auf dieser viel befahrenen Achse kurzzeitig komplett gesperrt werden, was schnell zu Rückstau in alle Richtungen führt.  

Die enorme Menge Ölbinder benötigt auch entsprechende Kapazitäten, um das gestreute Material wieder aufzunehmen. Leider befindet sich jedoch die grosse Wischmaschine vom Tiefbauamt, die im Betzholz-Kreisel stationiert ist, in Reparatur. Zur Unterstützung der kleinen Wischmaschine des Tiefbauamts wird darum zusätzlich das Gefährt der Gemeinde Hinwil aufgeboten.

Die grosse Kreuzung wird schliesslich gereinigt, indem der Verkehr nochmals komplett angehalten wird. Acht Feuerwehrmänner, alle mit einem Besen bewaffnet, und die beiden Wischmaschinen reinigen, wischen und saugen in Windeseile alles Absorbermaterial auf. Die Kreuzung gleicht einem Ameisenhaufen.

Nach etwa 2,5 Stunden ist der Einsatz beendet. Die benutzten Werkzeuge werden gereinigt und zum Trocknen im Depot aufgehängt. Es fallen noch einige Sprüche ob der ungewöhnlich grossen Ölbinder-Menge für eine einzelne Ölspur, und man verabschiedet sich ins Wochenende.

14:42 Uhr

Der Pager vibriert erneut: Ölwehreinsatz. Warnwesten, Streumaschine und Besen sind noch lange nicht trocken, da müssen sie schon wieder eingesetzt werden. Diesmal reicht die Ölspur von der Ecke Dürntnerstrasse/Bahnhofplatz am Bahnhof vorbei bis weit in die Unterdorfstrasse hinein. In verschiedene Abwasserschächte entlang der Strasse ist Öl gelaufen, sodass auf der Strecke alle Schächte kontrolliert werden und bei Bedarf mit einem ölabsorbierendes Vlies ausgerüstet werden.

Erneut kommt die Wischmaschine der Gemeinde zum Einsatz. Dort, wo der Ölabsorber schon aufgenommen wurde, kann das Vlies wieder aus den Schächten gezogen werden. Als wir zum Ausgangspunkt zurückfahren, bemerken wir eine weitere Ölspur. Diese beginnt beim Spiralkreisel, führt durch die Zürichstrasse bis zur Hirschenkreuzung und schliesslich auch noch ein gutes Stück in die Dürntnerstrasse hinein. Statt den Rückzug ins Depot anzutreten, wird der Einsatz um eine weitere Ölspur verlängert.

Auch diese Ölspur ist fast fertig geputzt und zusammengewischt, als die Einsatzleitzentrale bereits eine weitere Ölspur meldet: In der Zürichstrasse vom Spiralkreisel bis zur Bührer-Kreuzung. Dieser Streckenabschnitt hat noch gefehlt, um den roten Ölbinder-Ring rund ums Dorfzentrum zu schliessen. Wir streuen also weiter und schwingen die Besen, bis es Blasen an den Händen gibt.

Zwei Stunden nach Einsatzbeginn ist auch die dritte Ölspur gestreut, und wir sind auf dem Rückweg ins Depot. Mehrere Einsätze bzw. Einsatzorte direkt hintereinander kennen wir sonst nur von Hochwasserereignissen, wenn allerorts das Wasser über die Ufer tritt oder in Keller läuft. Aber Ölspuren von verschiedenen Verursachern?

16:42 Uhr

Der Einsatztag ist noch nicht zu Ende! Mit Blaulicht und Signalhorn geht es sofort weiter zum nächsten Einsatzort. An der Kreuzung Winterthurerstrasse/Erlosenstrasse sind zwei Fahrzeuge zusammengestossen. Die Feuerwehr muss die Verkehrsregelung an der Unfallstelle übernehmen, und – es läuft Öl aus! Wir machen also das, was wir schon den ganzen Tag machen, nämlich Ölbinder streuen.

Dieser Verkehrsunfall ist nun tatsächlich der Schlusspunkt eines ereignisreichen „Ölwehr-Tags“. Insgesamt wurden heute 86 Säcke bzw. 1720 kg Ölbinder auf den Hinwiler Strassen verteilt. Aus dem gemütlichen freien Tag ist nichts geworden. Dafür hat es ein Feuerwehrmann treffend ausgedrückt: „Heute gab es einmal Hinwil, rot.“

Text: Micha Semmler

Bildquelle: Feuerwehr Hinwil

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