Wasserwehreinsätze - Hinwil vom 22.07.2014

Beitrag vom Zürcher Oberländer Online

Feuerwehr leistete 180 Einsätze

Aktualisiert 23.07.2014 um 09:31


Die Oberländer Feuerwehren standen am Dienstag im Dauereinsatz: Strassen mussten wegen dem Hochwasser gesperrt und Keller ausgepumpt werden. Ein Überblick über die Ereignisse.


Hochwasser im Zürcher Oberland
Bäche, Böden und Kanalisationen sind in der Region mit den auftretenden Wassermassen überfordert. Bilder vom Dienstag, 22. Juli 2014.



Seit Montagabend fiellen starke Niederschläge. Bäche, Böden und Kanalisationen waren im Zürcher Oberland mit den auftretenden Wassermassen überfordert. Die Feuerwehren waren am Dienstag, 22. Juli 2014, im Dauereinsatz und mussten in den letzten Stunden rund 100 Mal ausrücken.

Schutz und Rettung Zürich zog am Abend ein Fazit: 180 Einsätze wurden in der Region von den Feuerwehren geleistet. Am Abend seien diese nochmals angestiegen. «Viele haben ihre Schäden erst nach dem Feierabend entdeckt», meinte Urs Eberle, Mediensprecher von Schutz und Rettung Zürich.

Die Einsätze hätten speziell in zwei Gebieten statt gefunden. Die Region Tösstal sei stark betroffen gewesen. Darunter die Gemeinden Bauma, Fischenthal und Turbenthal. Weiter seien im Gebiet rund um den Bachtel viele Einsätze geleistet worden, so Eberle. Meist seien Strassen überflutet worden oder Hänge abgerutscht. «Aber auch viele Keller und Garagen mussten abgepumpt werden.»

Die Feuerwehren bleiben auch für die Nacht in Alarmbereitschaft. «Es ist schwierig zu sagen, wie sich die Niederschläge und das Hochwasser entwickeln werden», meint Eberle. Klar ist: die Situation bleibt weiterhin angespannt.

Meldungen vom Dienstag, 22. Juli 2014:

Die Hochwassersituation im Zürcher Oberland bleibt prekär: Am Dienstagabend ist gemäss der kantonalen Gefahrenkarte der Pfäffikersee kurz vor der Überbordung. Zurzeit versuche die Feuerwehr mit Sandsäcken die Uferübertretung zu verhindern, wie Schutz und Rettung Zürich mitteilt.

Meteonews vermeldet, dass im Kanton Zürich am meisten Regen auf dem Hörnli und in Hinwil gemessen wurde. Mit 100 respektive 90 Liter Regen pro Quadratmeter belegen sie sogar schweizweit Platz zwei und drei auf der Niederschlagsskala.

Die Wassermengen nehmen zurzeit wieder zu. Der Pfäffikersee hat seinen Warnwert deutlich überschritten. Er misst zurzeit 537,56 Meter über Meer. Nur noch 25 Zentimeter und der See tritt über seine Ufer. Der Greifensee hat seinen Hochwasser-Warnwert ebenfalls überschritten.

Die Liegewiese des Campingplatzes und das Restaurant Stampf in Rapperswil-Jona stehe im Wasser, wie die Kantonspolizei St. Gallen mitteilt. Der angrenzende Zeltplatz sei im Moment von den Wassermassen noch nicht betroffen. Die Zelte würden vor allem von Einheimischen benutzt und seien zur Zeit unbewohnt.

Nun ist auch die Kempt in Illnau über das Ufer gestiegen, wie eine Leserin berichtet.

Auf Wetziker Gemeindegebiet steht das Ausliker Ried unter Wasser und der Wildbach sowie das Vogelsangbächli sind vereinzelt über die Ufer getreten. In Dürnten führt der Dorfbach sehr viel Wasser.

Die Strassensperre auf der Hinwilerstrasse zwischen Wetzikon-Kempten und Ettenhausen ist seit 13 Uhr aufgehoben. Die Strasse war seit Dienstagmorgen um 9 Uhr ist die Hinwilerstrasse in beiden Richtungen gespeert. «Das Vogelsangbächli hat die Strasse in der Nähe der Tankstelle unter Wasser gesetzt», schilderte René Ehrenmann, Kommandant der Feuerwehr Wetzikon-Seegräben.

Gemäss der Gefahrenkarte des kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft erreicht einzig die Töss bei der Rämismühle den zweithöchsten Warnwert «Hochwassergefahr». Generell lässt sich aber festhalten, dass sich die Situation seit 11 Uhr wieder beruhigt, da der Regen an Kraft verliert. Die Pegel der Oberländer Fliessgewässer verzeichnen einen massiven Rückgang.

Praktisch alle Bäche in der Region haben sich in reissende Flüsse verwandelt. «Das ist eine Eskalation der Ereignisse. Die Einsatzkräfte können nicht überall gleichzeitig sein und müssen abwägen, wo sie dringend gebraucht werden», sagt Urs Eberle von Schutz & Rettung Zürich auf Anfrage. Er schildert um 13.15 Uhr, dass die Feruwehren dort zuerst einschreiten, wo Menschen und Gegenstände gefährdet sind. Bei überfluteten Kellern sei in gewissen Gemeinden leider Geduld gefragt.

Hälfte der Einsätze bis gegen Mittag

Im Zürcher Oberland bietet sich laut Eberle überall das gleiche Schadensbild. Immerhin sei das Unwetter nicht zusätzlich von Windböen oder Stürmen begleitet. «Sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen, ist momentan schwierig, da wir nicht wissen, wann die Spitze erreicht ist. Die Situation ändert sich fast stündlich.» Um 10 Uhr wurden 50 Einsätze in der Region verzeichnet, um 11.15 Uhr bereits 100.

Während die Meldungen von überfluteten Kellern und Strassen aus dem Raum Uster erst gegen Mittag eintrafen, wurde im Tösstal bis hin zur Winterthurer Stadtgrenze viel früher gegen die Wassermassen gekämpft. In Auslikon näherte sich das Wasser dem Bahndamm bedrohlich (siehe Bildstrecke).

In Adetswil bei Bäretswil informierten Leser über einen abgerutschten Hang (siehe Bildstrecke).

In Aathal wurden am Ufer des Aabachs vorsorglich Sandsäcke positioniert.

Der private Wetterdienst Meteocentrale.ch gab am Dienstagmorgen wegen Starkregens eine Unwetterwarnung der Stufe Rot für den Raum Uster heraus. Bis am Abend kommen noch einmal zwischen 20 und 30 Liter pro Quadratmer (örtlich auch mehr) zustande.

Zwischen Dürnten und Hinwil, beim Ediker Stich, äussern sich Bauern verärgert über die neue Strasse. Das Wasser fliesst in Scheunen und Garagen der dortigen Gaststätte, wie Bilder eines Leser-Reporters zeigen.

Auch im Bezirk Pfäffikon hat die Feuerwehr allerhand zu tun. In Hittnau wurde beispielsweise an der Tösstalstrasse ein Kanaldeckel angehoben, wie die Kantonspolizei Zürich auf Anfrage bestätigt.

Wie der Wetterdienst Meteonews am frühen Dienstagmorgen auf Anfrage mitteilte, wurden in Rapperswil SG mit 48 Litern seit Montagmittag die höchsten Niederschlagsmengen gemessen. Dahinter folgten Einsiedeln mit 47 sowie der Chasseral und Hinwil mit 45 Litern. Die Meteorologen geben indes zu bedenken, dass die Regenfront noch alles andere als ausgestanden ist.

Sehr aussergewöhnliche Wetterlage

Normalerweise kennt man den Juli ja als Hochsommermonat. Doch das, was das Wetter derzeit bietet, ist nicht gerade das, was man unter Sommerwetter versteht. Seit dem späten Montagnachmittag regnet es in der Region – und zwar immer wieder ausgesprochen kräftig.

Ursache ist ein Tiefdruckgebiet mit Kern über Norditalien, das einerseits zwar warme, andererseits aber auch sehr feuchte Luft zur Schweiz führt - und zwar östlich um die Alpen herum, so dass die Luftmassen mit nördlichen bis nordöstlichen Höhenwinden am Alpennordhang gestaut werden. Hier regnen sie sich nun im wahrsten Sinne des Wortes aus. Diese Wetterlage ist für den Hochsommer sehr ungewöhnlich und lässt sich von den gängigen Computermodellen auch nur schwer berechnen. Dies erschwerte den Meteorologen die exakte Vorhersage.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit füllt sich das Tiefdruckgebiet über Norditalien gegen Abend und in der Nacht aber auf, was in der Region für eine Wetterbesserung sorgen wird. Ab morgen Mittwoch wird wieder relativ warmes Sommerwetter mit Temperaturen zwischen 25 und 27 Grad erwartet. Da der Luftdruck aber flach bleibt, bilden sich im Laufe des Tages aber Quellwolken, was in der zweiten Tageshälfte zu Schauern und Gewittern führen dürfte. (mig/mre/nbr/sda)

Erstellt: 22.07.2014, 19:25 Uhr


Letzte dokumentierte Einsätze

Go to top